Stabat Mater, 1767

Joseph HAYDN (1732-1809)

CD réf. FCE 208/055

Allerséilen-Concert 1998, Chorale Saint-Michel, Ensemble « Les musiciens », direction: Gerry Welter

enregistrement public du 2 novembre 1998 dans l'Eglise Saint-Michel à Luxembourg

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Adagio für Englischhorn & Streicher KV 580a (MOZART) 4’58

Stabat Mater (J.HAYDN, 1767) 63’29

Der Text der mittelalterlichen Marien-Sequenz wurde im XIII. Jahrhundert von einem Franziskanermönch gedichtet. Früher vermutete man als Autor Jacopone da Todi (1230-1302), später Bonaventura (1221-1274), eine endgültige Antwort auf die Frage nach dem Verfasser gibt es bis jetzt nicht. Die tief religiösen und ausdruckstarken Verse, die durch ihre regelmäßige Metrik und das kunstvolle Reimschema sich dem Gedächtnis leicht einprägen, wurden sehr beliebt und fanden schnell Eingang in die Gebet- und Stundenbücher, in das katholische Brevier und in die Liturgie des Festes der Sieben Schmerzen Mariä am 15. September.

Haydn hat die 20 Strophen des Hymnus in 13 Abschnitte gegliedert und sich bemüht, eine möglichst große Vielfalt durch verschiedene Besetzungen, Tonarten- und Tempowechsel zu erreichen, ohne die Einheit der Stimmung zu gefährden. Trotz der Tragik der Leidensgeschichte öffnet die Vertonung Haydns keine tragischen Abgründe, sie bewahrt immer einen versöhnlichen, fast heiteren Charakter, wie übrigens alle seine geistlichen Werke, trotz der tiefen Frömmigkeit des Komponisten. Als man ihm das einmal zum Vorwurf machte, erwiderte er:

"Da mir Gott ein fröhliches Herz gegeben hat, so wird er es mir schon verzeihen, daß ich ihm auch fröhlich diene."

Wie bei den "Sieben letzten Worten des Erlösers am Kreuz" wird der freiwillige Opfertod Jesu vor allem als Zeichen göttlicher Liebe und Gnade dargestellt. Hier wie dort sind nicht die düsteren, sondern die versöhnlichen Tonarten vorherrschend, immer überwiegt die kantable Melodik. Haydns Oratorium verrät ein sehr klares Textverständnis; einzelne Begriffe, besonders die affektgeladenen Kernwörter des Schmerzes, werden sehr eingehend und plastisch in Musik umgesetzt.

I.- "Stabat Mater dolorosa"

II.- "O quam tristis"

III.- "Quis est homo?"

IV.- "Quis non posset?"

V.- "Pro peccatis suae gentis"

VI.- "Vidit suum dulcem natum"

VII.- "Eia Mater"

VIII.- "Sancta Mater"

IX.- "Fac me tecum"

X.- "Virgo virginum praeclara"

XI.- "Flammis orci ne succendar"

XlI.- "Fac me cruce"

XIII.- "Quando corpus morietur"

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I.- "Stabat Mater dolorosa". Eine ziemlich lange Einleitung des Orchesters - in der Tonart g-moll - die ganz im Stil der Sturm-und-Drang-Sinfonien Haydns gehalten ist, bereitet den Einsatz des Tenor-Solos vor, der mit verhaltenem Pathos die Vision der schmerzensreichen Mutter beschwört, die unter dem Kreuze ihres Sohnes steht. Der Chor greift den Text auf und setzt ihn mit der zweiten Strophe fort, die in dem Bild des Schwertes (gladius) gipfelt, das das Herz der Mutter durchdringt.

II.- "O quam tristis". Eine edle, innige Melodie in Dur für Alt-Solo beschreibt die seelische Trauer Mariens. Der dunkel-weiche Ton der Englischhörner verleiht der Arie eine besondere Klangfarbe.

III.- "Quis est homo?". Dramatisch, im strengen c-moll, ohne orchestrale Einleitung, beginnt der Chor mit der Frage, welcher Mensch gleichgültig bleiben könne angesichts solcher Qual. Ein längeres Fugato über in tanto supplicio gibt der rhetorischen Frage noch größere Eindringlichkeit.

IV.- "Quis non posset?". Unmittelbar greift der Sopran-Solo dieselbe Idee vom solidarischen Mitleiden auf beim Anblick einer Mutter, die mit ihrem sterbenden Sohn leidet. Die bewegte Klage entlädt sich in unruhigen Koloraturen.

V.- "Pro peccatis suae gentis". Die schöne Baß-Arie in B-Dur bringt zum ersten Male eine schnelle Bewegung in das Werk. Die Entrüstung darüber, daß Jesus für die Sünden anderer gefoltert wird, steigert sich beim Bild der Geißel (flagellis), das Anlaß zu virtuosen Koloraturen bietet.

VI.- "Vidit suum dulcem natum". Ein ruhiges Vorspiel - lento e maestoso - schildert die Trauer und Verlassenheit der Mutter beim Tod ihres Sohnes, die vom Tenor-Solo in Worte gekleidet wird. Einzelne schmerzliche Akzente scheinen auf Mozarts Requiem hinzuweisen.

VII.- "Eia Mater". Von diesem Augenblick an spricht der Text nicht mehr über die schmerzensreiche Mutter, er wendet sich unmittelbar an die Gottesmutter in der Form von Bitten. Der Chor, als Vertreter der Gläubigen, fleht sie an, uns die Heftigkeit des Schmerzes und die brennnende Gottesliebe mitzuteilen.

VIII.- "Sancta Mater". Die zweite Bitte an die "Mutter" um die rechte Anteilnahme an Christi Leiden wird vom Sopran und dem Tenor zuerst abwechselnd, dann gemeinsam vorgetragen. Das Larghetto in B-Dur gestaltet sich zu einem Iyrischen Duett von erstaunlicher Innigkeit und Ausdruckstiefe.

IX.- "Fac me tecum". Die Alt-Arie in g-moll bittet unter Tränen darum - Lagrimoso lautet die seltene Satzbezeichnung - neben Maria unter dem Kreuze stehen zu können.

X.- "Virgo virginum praeclara". Dieses Andante bildet einen Höhepunkt des Werkes. Zum ersten Male sind alle vier Solisten und der Chor vereint. Nacheinander, vom tiefsten bis zum höchsten Register, tragen alle Stimmen ihr andächtig aufsteigendes Gebet vor, bis der Chor einfällt. Die Englischhörner ersetzen wieder die Oboen.

XI.- "Flammis orci ne succendar". Die Baß-Arie in c-moll hat erneut ein schnelles Tempo: Presto. Die Bitte darum, nicht von den Flammen der Hölle verbrannt zu werden, wird in dramatischer Bewegung, fast atemlos vorgetragen.

XlI.- "Fac me cruce". Der Text dieser Tenor-Arie in C-Dur, die 19. Strophe der Marien-Sequenz, findet sich in dieser Fassung nur bei Haydn. Die eher ruhige Atmosphäre wirkt wie ein Übergang zum letzten Teil.

XIII.- "Quando corpus morietur". Der erste Teil (a), ein ernstes Largo in g-moll über den Text "Wenn mein Leib sterben wird", wird vom Sopran- und vom Alt-Solo in Verbindung mit dem Chor vorgetragen. Bei den zwei letzten Wörtern des Textes, Paradisi gloria, wechseln Stimmung und Tonart: (b) die Vision des himmlischen Paradieses beflügelt den Chor, der in fugiertem Stil immer wieder sich zu schnellen Ausrufen hinreißen läßt, die von den jubilierenden Koloraturen des Sopran über Amen obertönt werden.

J.G.
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