Courrier
ICH - 82 Jahre alt – eine rüstige Rentnerin
Und das sind die Stationen meines Lebens
„Mein
Lebenslauf war Lieb’ und Lust“, wie es in einem Lied heißt, kann
ich von mir nicht sagen. – Jahrgang 1922 – Inflationszeit, in einer Arbeiterfamilie
aufgewachsen. Weltwirtschaftskrise – der Vater häufig arbeitslos;
worunter meine schulischen Leistungen jedoch nicht litten. Den an der Oberschule
angebotenen Freiplatz lehnte der Vater ab.
Bei der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933, war ich 10. Mitte der dreißiger Jahre Aufatmen, der Vater bekam Arbeit. Diese Freude währte nicht lange – 1939 Krieg. Während dieser Zeit war ich, bis zum Ende des Krieges als technische Zeichnerin in einem Rüstungsbetrieb verpflichtet. Nebenbei war ich Rote-Kreuz-Schwester. Der Krieg, wie wohl jeder weiß, kostete viele Opfer an der Front und in der Heimat. Meine Heimatstadt Magdeburg wurde zu 90% zerstört. Millionen Männer fielen in den Kämpfen, insbesondere die Jahrgänge 1920-1925. Das mag mit ein Grund dafür sein, dass ich immer allein durchs Leben gegangen bin.
Das herbeigesehnte Ende des Krieges war auch nicht glücklich. – Die Teilung Deutschlands – wir im östlichen Deutschland hatten den „schwarzen Peter“ erwischt. Das Gebiet wurde zur Russischen Zone erklärt. 1949 dann die Gründung der DDR – eine Diktatur mit unüberwindlichen Grenzen und einer Mauer ‚gesichert’. Keine Chance dieses Land auf legalem Wege verlassen zu können und der illegale Weg war aussichtslos und endete fast immer mit dem Tod oder –zig Jahre Gefängnis.
Der Aufstand der Arbeiter im Juni 1953 kostete wieder Opfer, Tote und Eingekerkerte. Die meisten der wenigen verbliebenen Privatunternehmen wurden per Gesetz geschlossen. Es gab Arbeitslose, jedoch keine Arbeitslosenunterstützung und keine Arbeitsvermittlung. Auch ich war davon betroffen. Nach längerem Suchen fand ich eine Anstellung bei der Post als Briefträgerin. Die Post wurde noch persönlich zugestellt, 2x am Tag 610 Treppen. Sport brauchte ich in dieser Zeit nicht zu treiben!
Politisch und wirtschaftlicher wurden die Verhältnisse immer unerträglicher. Nach Gründung der Musikschule 1954, arbeitete ich, bis zum Ende meines Berufslebens, dort als Verwaltungsleiterin. In meinem Verantwortungsbereich herrschte ein angenehmes Arbeitsklima, aber die Angst vor Bespitzelung war auch immer gegenwärtig.
Endlich - 1989 – brachte uns der friedliche Aufstand Freiheiten,
die wir bis dahin leider nicht hatten, unter anderem die Reisefreiheit.
Wie ich zu den Weltbürgern kam
Endlich Reisefreiheit! Doch ich ging schon auf die 70 zu und hatte den Wunsch, noch möglichst viel von der Welt kennen zu lernen, so lange ich noch beweglich war. Ich stand quasi schon in den Startlöchern, als ich im Frühjahr 1991 das erste Angebot für eine Ame-rikareise sah und buchte sofort. In meinem Bekanntenkreis fand man zu dieser Zeit mein Vorhaben sehr aben-teuerlich. In der Reisegruppe, die in New York zusammengestellt wurde, war ich die einzige, die aus der ehemaligen DDR kam.
Ich muß hier nicht schildern wie begeistert ich von New York, Washington und den Niagarafällen war. Doch über die Reiseleiterin, die uns auf dieser Fahrt begleitete, muß ich ein paar Worte schreiben, wenn ich erklären will wie ich Weltbürgerin wurde. Die Art wie sie die Gruppe leitete gefiel wohl allen. So ganz nebenbei sagte sie über sich, dass sie ihren Beruf als Psychologin aufgegeben hat, und im Frühjahr und Sommer als Reiseleiterin tätig ist, weil sich so für sie die Möglichkeit ergibt, in den übrigen Monaten eine Organisation bei der UNO zu vertreten. Ich war von dieser Einstellung sehr beeindruckt und zog den Schluss, dass es eine hervorragende Organisation sein muß, für deren Ziele man sein Privatleben zurückstellt.
Auf meine Frage, welche Organisation das ist, gab sie zur Antwort: „die Weltbürger“. Noch niemals zuvor hatte ich darüber etwas gehört, ich kannte keine Programme. Mir genügte die Begegnung mit der Reiseleiterin (Dr. Lisinka Ulatowska) um den Entschluß zu fassen, der Weltbürgerorganisation beizutreten. Im Frühjahr 1992 setzte ich dieses Vorhaben in die Tat um, und im Herbst des gleichen Jahres übernahm ich die Registrierung der Beitrittswilligen in Deutschland.
Les Amis du FRI,
le bateau des luttes
anti-nucléaires des années
‘70
(cf. nos 110, 108, 107, 106)
La lettre
de présentation de la nouvelle association LES AMIS DU FRI (cf.
numéros précédents) est jointe comme supplément-papier
au présent numéro. Les amis du web peuvent la demander auprès
du siège: c/o Gilbert Nicilas, 15 rue du Palais, F-29000 QUIMPER.
La cotisation annuelle est fixée à 20.- € (minimum).
informations supplémentaires sur le FRI (FCE - le fédérateur no 106)