(Auszug)
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurden in den Alpen und im Erzgebirge, vor allem in Schwazin Tirol und bei Schneeberg in Sachsen, reiche Silbervorkommen entdeckt. Der außergewöhnliche Überfluß an Silber, der daraus den Münzen der Zeit zufloß, führte zu einer wichtigen Reform des Geldwesens, die im wahrsten Sinn des Wortes das Gesicht des europäischen Geldes veränderte.

Zwei Jahre später, d.h. im Jahre 1474 folgte Mailand dem Beispiel Venedigs und prägte seinerseits eine dicke Münze, die um einige Gramm schwerer war als die venezianische und auf der Rückseite das Bild des Herzogs Galeazzo Maria Sforza trug.
Nach der Entdeckung der Silberadern in Joachimsthal im böhmischen Erzgebirge ließen die Grafen Schlick, die Eigentümer der Bergwerke, Ende des 15. Jahrhunderts eine 27 Gramm schwere Riesenmünze prägen, die bei einer Legierung von 900 Tausendstel 24 Gramm reines Silber enthielt. Die neue Münze hieß nach dem Fundort des darin enthaltenen Silbers Joachimsthaler oder einfach nur Taler. Wie die Guldiner des Erzherzogs Sigismund wurden auch die Taler der Grafen Schlick zunächst weniger als Münzen denn als Medaillen verwendet. In den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts hatten sie dann aber als Münzen im internationalen Verkehr unglaublichen Erfolg, wie nicht nur ihre außerordentliche Verbreitung, sondern auch die Tatsache beweist, daß aus ihrem Namen die Bezeichnung für den holländischen Daalder und den amerikanischen Dollar hervorgegangen ist.
Aus dem Italienischen von Friederike Hausmann, Verlag Klaus Wagenbach, 128 Seiten, DM 36.-)